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„Afrika Kontinent der Chancen – Afrika als Wirtschaftspartner“

Itinerary Cotton made in Africa Stakeholder Discussion Round -

29.05.2009 -


„Afrika Kontinent der Chancen – Afrika als Wirtschaftspartner“

Itinerary Cotton made in Africa Stakeholder Discussion Round -
Aid by Trade Foundation / Otto Group

NABU-Bundesgeschäftsstelle, Charitéstr. 3, Berlin

28. Mai 2009
 

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Gliederung

I Einleitung

II Positive Entwicklungen in Afrika – Afrikabild korrigieren

III Afrika-Politik der Bundesregierung im Kontext der Nahrungsmittel-, Finanz- und Wirtschaftskrise

IV Entwicklungspolitische Bedeutung von Initiativen wie die Aid by Trade Foundation

V  Fazit

  
I        Einleitung

Sehr geehrter Herr Dr. Johannes Merck,
meine Damen und Herren,
Herzlichen Dank für Ihre Einladung!

Ich freue mich, Ihnen heute über die Entwicklungspolitik der Bundesregierung mit Afrika und die Bedeutung, die wir privatwirtschaftlichem Engagement - wie dem der Aid by Trade Foundation – zumessen, berichten zu können.

Wir sehen ein politisch stärker werdendes Afrika! Ein Afrika, das künftig vermehrt seine immensen Potenziale nutzt und eigenständig seinen politischen Weg im 21. Jahrhundert geht.

Als verlässlicher Partner leistet Deutschland hierfür einen wichtigen Beitrag. Die Bundesregierung will das G8-Versprechen von Gleneagles erfüllen: Die Hilfe für Afrika bis 2010 zu verdoppeln. Wir heben die Netto-Auszahlungen (ODA) kontinuierlich an. 2007 bereits auf 1,7 Mrd. € inkl. Schuldenerlass. Das entspricht einer Erhöhung um 56% gegenüber 2004.

Wie setzen wir diese Gelder ein? Wir arbeiten mit 24 Partnerländern und den wichtigsten afrikanischen Regionalorganisationen zusammen. Unsere Schwerpunkte sind:

-         gute Regierungsführung,

-         nachhaltige Wirtschaftsentwicklung,

-         Wassermanagement,

-         erneuerbare Energie und Energieeffizienz,

-         Gesundheit und

-         Schutz der natürlichen Ressourcen.

Entwicklungspolitische Zusammenarbeit ist aber immer mehr als staatliches Handeln. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ergänzend zu unserer Arbeit ist neben zivilgesellschaftlichem und kirchlichem Engagement die privatwirtschaftliche Initiative von ganz besonderer Wichtigkeit.

Deshalb begrüße ich die Aktivitäten der Aid by Trade Foundation, die sich durch das label „Cotton made in Africa“ auszeichnen, ganz besonders.

Diese unterstützen wir u.a. über das PPP-Programm des BMZ. Damit fördern wir Projekte, die sowohl entwicklungspolitischen als auch unternehmerischen Zielen dienen; Projekte, an denen Unternehmen ein langfristiges Interesse haben und sich mit eigenen Ressourcen einbringen. Seit 1999 wurden in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mehr als 3.000 öffentlich-private Partnerschaften angestoßen. Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft gibt es in rund 70 Länder und sie decken ein breites sektorales Spektrum von "A" wie Aidsbekämpfung bis "Z" wie Zertifizierung ab. 
 

II          Positive Entwicklungen in Afrika – Afrikabild korrigieren

In den vergangenen Jahren beobachteten wir sehr positive Entwicklungen in Afrika:

Die Wirtschaft wuchs kontinuierlich: Seit dem Jahr 2000 hat sich das Bruttonationaleinkommen in Subsahara-Afrika auf 648 Mrd. US-Dollar fast verdoppelt. Das reale Wirtschaftwachstum im subsaharischen Afrika lag seit der Jahrtausendwende über 5 % - also beachtlich über dem durchschnittlichen Wachstum der Weltwirtschaft. 2007 steigerte sich das BIP sogar um 6,8 %: Es war das stärkste Wachstum seit der Unabhängigkeit des Kontinents.

Dies bietet reale Chancen für die Armutsreduzierung. Erfolge sind auch schon sichtbar: Beispielsweise stieg die Zahl der Kinder in Primarschulen, zwischen 1999 und 2004 um 21 Mio SchülerInnen an.

Demokratie etabliert sich in der Fläche: Fast 60% der Afrikanerinnen und Afrikaner leben in Ländern mit demokratisch legitimierten Regierungen. 1973 gab es 3 afrikanische Länder mit Mehrparteienwahlen, 2005 waren es 40. Auch die pan-afrikanischen Anstrengungen zeugen vom politischen Willen und der neuen Dynamik, die eigenen Kräfte für Frieden und Entwicklung zu mobilisieren. Zu nennen sind hier vor allem New Partnership for Africa’s Development (NePAD) und deren Peer Review Mechanism sowie die Gründung der Afrikanische Union (AU).

Afrika wird attraktiver Wirtschaftspartner: Afrikanische Regierungen verbessern zunehmend die Rahmenbedingungen für ausländische Direktinvestitionen. Durch regionale Wirtschaftsintegration vergrößern sie Wirtschaftsräume und Märkte (etwa durch den Abbau von Zöllen, die Erleichterung des intraregionalen Handels). AU und die wirtschaftspolitischen Regionalorganisationen (EAC, SADC, etc.) machen sich um Afrikas Wirtschaft verdient.

Trotz dieser Entwicklungen ist das Image Afrikas (insbesondere im Leitmedium Fernsehen) leider immer noch einseitig negativ.

Jeder kennt Gewalt und Zerfall im Sudan, in Somalia und Simbabwe. Aber wer kennt den Aufschwung in Tansania, Ghana oder Mosambik?

Wir müssen von dieser Einseitigkeit weg. Sie schadet Afrikas Wirtschaft. Der Afrikanische Aufschwung braucht Rückenwind – Aufmerksamkeit und Engagement! Deshalb sage ich bewusst: Afrika ist ein Kontinent der Chancen!

Auf dieser Wahrnehmung beruht auch Ihre Initiative. Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie an einem positiveren und damit realistischeren Bild Afrikas mitarbeiten! Lassen Sie uns dies gemeinsam in Deutschland verbreiten.
 

III         Afrika-Politik der Bundesregierung im Kontext der Nahrungsmittel-, Finanz- und Wirtschaftskrise

Doch vor den positiven skizzierten afrikanischen Horizont schieben sich einstweilen Wolken. Langfristig der Klimawandel und seit 2008 zuerst die Nahrungsmittelkrise und dann die globale Finanz- und Wirtschaftskrise.

Schon vor Beginn der Finanzkrise hatten viele afrikanische Länder mit den enormen Preissteigerungen für Nahrungsmittel auf den Weltmärkten zu kämpfen, die in mehreren Ländern zu Unruhen führten. Die deutsche Entwicklungspolitik reagierte kurzfristig mit einer Erhöhung unserer Nahrungsmittelhilfen und der entwicklungsorientierten Nothilfemaßnahmen in den besonders betroffenen Ländern.

Die Nahrungsmittelkrise hat gezeigt, dass die Entwicklung der Landwirtschaft in Afrika wieder in den Vordergrund rücken muss.

Inzwischen herrscht Übereinstimmung, dass die realwirtschaftlichen Folgen auch der Finanz- und Wirtschaftskrise für Subsahara-Afrika erheblich sind:

Das Wirtschaftswachstum wird geschwächt durch sinkende Nachfrage, Preise, Handel, Investitionen sowie sinkende Rücküberweisungen von im Ausland lebenden Afrikanerinnen und Afrikanern. Rohstoffexportierende Länder sind besonders stark betroffen (u.a. Südafrika, Sambia, DR Kongo). Das Wachstum in Subsahara-Afrika droht das erste Mal seit 10 Jahren wieder auf das Niveau des Bevölkerungswachstums (2,5 %) zu sinken.

Subsahara-Afrika erhielt 2008 deutlich weniger ausländisches Kapital als im Vorjahr. Unternehmen haben zunehmend Probleme, Investitionen selbst oder über Kredite zu finanzieren.

Zudem ist ein Rückgang armutsorientierter Staatsausgaben wegen des Anstiegs der Budgetdefizite zu befürchten.

Die sozialen Folgen sind ernst: Die Armutsbekämpfung stagniert. Etwa 50 Mio. Menschen werden der Armut in 2009 nicht entkommen, die es ohne die Krise hätten schaffen können. Und die Fortschritte bei den Millenniumsentwicklungszielen sind ernsthaft gefährdet.

Afrika braucht jetzt treue Freunde!

Die Bundesregierung wird die afrikanischen Partner bei der Abfederung der Krise unterstützen. Durch bilaterale Programme und über internationale Finanzinstitutionen, bei denen wir Anteilseigner sind.

An erster Stelle sind die internationalen Finanzinstitutionen gefragt, um jetzt Kapital für Investitionen – insbesondere in die Finanzsysteme und die Wirtschaftsinfrastruktur - bereitzustellen.

Ebenso wichtig ist es, dass die Absatzmärkte für afrikanische Produkte in den entwickelten Ländern erhalten bleiben und sich weiterhin positiv entwickeln. Ausländische Direktinvestitionen in Afrika dürfen nicht zurückgefahren werden. Hier sind antizyklische Strategien gefragt und dabei zählen wir auch auf die deutschen Unternehmen.
 

IV        Entwicklungspolitische Bedeutung von Initiativen wie die Aid by Trade Foundation

Hier möchte ich zuerst Herrn Dr. Michael Otto meinen ausdrücklichen Dank für die Einrichtung der Aid by Trade Foundation aussprechen. Die Grundphilosophie der Stiftung „Handel kann zur Armutsbe­kämpfung beitragen“ trage ich voll mit. Indem Unternehmen und Regierungsorganisationen an der Entwicklung von neuen, zertifizierten Produkten und entsprechenden Vermarktungsstrategien zusammen­arbeiten, können wir einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Erhöhung von Beschäftigung und Einkommen in unseren afrikanischen Partnerländern leisten.

Vor 4 Jahren haben wir gemeinsam die Public-Private Partnership Initiative „Cotton made in Afrika“ ins Leben gerufen. Ich freue mich, dass sich das Pflänzchen inzwischen zu vielen Hektar Baumwollpflanzungen mit dem Qualitätssiegel „Cotton made in Africa“ entwickelt hat.

Kleinbäuerliche Landwirtschaft ist ein wesentlicher Schlüssel zur Armutsreduzierung und Ernährungssicherung in Subsahara Afrika. Baumwollanbau in Afrika wird fast ausschließlich in kleinbäuerlichen Strukturen im Vertragsanbau mit Baumwollunternehmen betrieben. Es wird geschätzt, dass 2,8 Millionen Kleinbauern und –bäuerinnen Baumwollanbau in Afrika betreiben. Etwa 20 Millionen Menschen leben direkt oder indirekt davon.

Das allein zeigt schon, dass wir eine große Verantwortung haben. Es ist bekannt, dass Subventionen in den Industrieländern den für Afrika wichtigen Export von Baumwolle gefährden können. Wir müssen unseren Beitrag dazu leisten, um eine nachhaltige, die Böden erhaltende, produktive, wettbewerbsfähige sowie Arbeitsplätze schaffende Produktion und Verarbeitung in Afrika voranzubringen und - wie von den G8 in Heiligendamm bekräftigt - internationale Handelsbedingungen für afrikanische Produkte zu erleichtern.

"Cotton made in Afrika“ ist ein Beispiel für eine gelungene Entwicklungspartnerschaft: Nicht nur profitieren die Bauern in Afrika. Die Textilanbieter in Deutschland profitieren von einer nachhaltigen Sicherung eines wichtigen Rohstoffs und dessen hochwertiger Qualität; darüber hinaus können sie ihr Engagement für gerechtere Arbeits- und Lebensbedingungen bei ihren Zulieferern in Afrika sichtbar machen.

Besonders wichtig: Es wurde festgestellt, dass die Ausweitung der Baumwollproduktion gleichzeitig zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion führt. Die Förderung des nachhaltigen Baumwollanbaus ist für uns auch ein aktiver Beitrag zur Unterstützung der Ernährungssicherheit.

Um diese Erfolge nachhaltig zu sichern, müssen wir den Sprung auf eine neue Ebene schaffen. Dabei müssen wir an den zwei wesentlichen Grundlagen unseres Modells festhalten:

Die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Situation der Kleinbauern steht im Vordergrund. Sie ist zu entwickeln bzw. zu sichern. Neue Abhängigkeiten oder der Verlust von (Land-) Rechten sind auszuschließen.

Die Gewährleistung der ökologischen Nachhaltigkeits-standards. Aus guten Gründen wurde entschieden, unter dem Label „Cotton made in Afrika“ keine genetisch modifizierte Baumwolle zu vermarkten.

Das BMZ engagiert sich weiterhin auf drei Ebenen für die Baumwollbäuerinnen und –bauern in Afrika:

Wir unterstützen auch in den zukünftigen WTO-Verhandlungen die Bemühungen um einen Abbau der Baumwollsubventionen in den Industrieländern.

Gleichzeitig fördern wir Maßnahmen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der afrikanischen Bauern, die auch dazu beitragen, dass Baumwolle sozial und ökologisch nachhaltig angebaut wird.

Nicht zuletzt soll „Cotton made in Africa“ von den Endabnehmern der Textilen als Qualitätssiegel angenommen werden und damit dauerhaft und nachhaltig Absatzmöglichkeiten für die afrikanische Baumwolle erschließen.

Dies alles wird nicht von heute auf morgen geschehen. Ich bin aber zuversichtlich, dass es gelingt, die afrikanische Baumwolle gut auf dem Markt zu positionieren und damit einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität der afrikanischen Baumwoll-bauern und Ernährungssicherheit ganzer Regionen leisten können.

Unser Ansatz kann auch international überzeugen. Dies beweist die Bereitschaft der Bill&Melinda Gates Foundation die kleinbäuerlichen Familienbetriebe in Afrika jetzt in einem größeren Umfang mit zu fördern. In 3 gemeinsamen Vorhaben werden neben der Ausweitung der „Cotton Made in Africa“-Initiative auch die Produktion von Cashewnüssen und Kakao gefördert. 

Im Baumwollsektor wollen wir die Lebensbedingungen von 265.000 Bauern und deren Familien in 6 afrikanischen Ländern (Benin, Burkina, Faso, Côte d’Ivoire, Malawi, Sambia und Uganda)  verbessern.

In der Cashewnuss-Produktion wollen wir das daraus stammende Einkommen von 150.000 kleinbäuerlichen Betrieben in Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Ghana und Mosambik nachhaltig um 100 US-Dollar pro Jahr steigern. Zusätzlich sollen in der weiterverarbeitenden Cashew-Industrie dieser Länder 5.500 neue Arbeitsplätze – hauptsächlich für Frauen – entstehen.

Durch die Einführung professioneller Farmmanagementmethoden wollen wir bei 150.000 Kakao anbauenden Familien in Ghana, Nigeria, Kamerun und der Côte d’Ivoire das Einkommen um mindestens 50 % erhöhen.

All diese Maßnahmen kommen nicht nur den afrikanischen Kleinbauern sondern auch den Konsumenten und den an der Verarbeitung und Vermarktung beteiligten Unternehmen zu gute.
 

V         Fazit

In Afrika haben sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für unternehmerischen Erfolg verbessert. Mehrere Schwellenländer haben dies erkannt und investieren nach Kräften. Hier darf die europäische und deutsche Wirtschaft den Anschluss nicht verpassen! Auch weil verantwortungsvolle Unternehmensführung in Afrika weiter Fuß fassen muss.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise dämmt in Afrika derzeit Entwicklungsfortschritte ein. Jetzt müssen wir – Politik und Wirtschaft - weiter an der Seite unserer Partner stehen, denn die Krise ist überwindbar: durch strategisches und langfristiges Engagement.

Initiativen wie die Aid by Trade Foundation leisten einen wesentlichen Beitrag. Sie vervollständigen die entwicklungspolitischen Anstrengungen der Bundesregierung. Ohne den Aufbau von nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen, angetrieben durch privatwirtschaftliche Investitionen und sozialverantwortliches unternehmerisches Engagement, werden wir dabei nicht wirklich erfolgreich sein.

Haben Sie vielen Dank für Ihr partnerschaftliches Engagement!